Gedanken zum Nachdenken - Auf ein Wort - Fastenzeit / 2

St. Severin Garching

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Gedanken zum Nachdenken - Auf ein Wort
von Pastoralreferent Dietmar Rebmann

Thema: Speziell zur Fastenzeit / 2

Auf ein Wort .....

Großvater-Segen
Mein Großvater war Schuster und hatte eine kleine Werkstatt in seinem Haus. Als kleiner Bub durfte ich an seinem Werktisch sitzen und Nägel in kleine Bretter klopfen oder Lederstücke zusammen leimen. Manchmal habe ich heute noch den Geruch des Leders in der Nase. Und ich sehe meinen Großvater vor mir, wie er morgens um neun Uhr die Tür zu seiner Werkstatt aufschließt. Kurz darauf kommen schon die ersten Besucher, es sind ältere Männer aus dem Dorf. Und wie jeden Tag diskutieren sie erst einmal über die aktuellen Fußballergebnisse und die Lottozahlen und über das, was heute in der Zeitung steht. Ich klopfe weiter meine Nägel und warte schon gespannt, wann sie heute wieder auf das Thema zu sprechen kommen, das sie jeden Tag beschäftigt: der Krieg. Sie erzählen über ihre Erlebnisse als Soldaten, die Kameraden, die gefallen sind, die Granaten, die neben ihnen eingeschlagen sind und sie nur knapp verfehlt haben und die schlechte Verpflegung vor allem im Winter. Am Ende ihrer Rückschau atmen sie erleichtert auf: gut, dass wir das alles überlebt haben.Und ich als kleiner Bub fühle mich geborgen in dieser Runde von Männern, die einen grausamen Krieg überstanden haben. Wenn ich heute am Grab meiner Großväter stehe, habe ich dieses Gefühl noch in mir, dass ich bei ihnen gut aufgehoben bin. Ich glaube, dass sie auf mich aufpassen. Und wenn ich Sorgen habe, denke ich : sie haben den Krieg durch   gestanden, dann schaffe ich auch das, was mich heute herausfordert. Und ich gehe immer wieder an ihre Gräber, um mir ihren Segen zu holen.
Und ich wünsche mir, dass meine Enkelkinder einmal an meinem Grab stehen und zu mir sagen: Opa, du hast es geschafft, wir schaffen es auch.

Fußballgott
Wenn es bei einem Fußballverein gerade mal gut läuft, dann ist auch der Trainer gut drauf. Er kann mit der Mannschaft ganz locker umgehen und überträgt sein eigenes Selbstbewusstsein auf die einzelnen Spieler. Und diesen Glauben in die eigene Stärke holen sich die Sporttrainer immer öfter bei Mentaltrainern, die sagen: du musst dich entspannen, werde ruhig, dann spürst du eine Kraft, die größer ist als du. Wenn man fest genug glaubt, bekommt man irgendwann etwas zurück, davon sind viele überzeugt und sie nennen die höhere Instanz, an die sie sich wenden, manchmal Schutzengel oder Fußballgott. Man kann darüber lächeln, wenn jemand vom Fußballgott spricht. Aber jeder Mensch nennt die höhere Kraft, an die er sich wendet, anders. Wie ich meinen Gott
nenne, ist nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass ich mich dieser höheren Kraft anvertraue. Ich sage einfach: Gott, wer immer du bist, gib mir ein bisschen Kraft und Ruhe. Das macht mich gelassener, weil ich weiß, es hängt nicht alles von mir ab. Und diese innere Kraft reicht dann auch noch für die nächste Niederlage. Und die kommt bestimmt, im Fußball wie im richtigen Leben.

Leben im Augenblick
Die Versicherungen sind mal wieder hinter mir her: jeden Tag liegt im Briefkasten eine Werbung: sind sie genügend abgesichert? Und jedes Mal durchzuckt mich die Frage, was kann mir noch alles passieren, wo muss ich mein Leben noch sicherer machen? Gibt es noch Sicherheitslücken, die meinen Lebensabend gefährden? Und dann höre ich am Abend in den Nachrichten, dass Politiker und Sicherheitsexperten alles noch viel sicherer  machen wollen, und bereit sind, gegen alles zu kämpfen, was diese Sicherheit bedroht. Eines ist jedenfalls sicher: dass das Leben in unserer Welt scheinbar sehr unsicher geworden ist. Und wenn ich darüber nachdenke, wie ich mein Leben besser absichern könnte, fallen mir erst einmal die vielen Un-sicherheiten ein, die mein Leben bedrohen: kriege ich auch die Vogelgrippe, verliere ich bald meinen Arbeitsplatz, jagt ein Terrorist mich im Flugzeug in die Luft? Mein persönlicher Sicherheits-check fällt sehr unbefriedigend aus: es könnte noch soviel passieren, worauf ich mich nicht genügend vorbereitet bin. Die Zukunft wird zum Sicherheitsrisiko! Vielleicht sollte ich doch besser in der Gegenwart bleiben und mich mit dem Spruch eines weisen Menschen begnügen, der sagt: Verlängere den Augenblick, gib dem Jetzt Dauer, sonst zerrinnt dir dein Leben!

Treffer-Worte
Der Erwin Belzig kommt manchmal auf verrückte Ideen. Steht beim Auftritt auf der Bühne und lässt von einem Mitarbeiter in der Regie die Worte zählen, die er an diesem Abend sozusagen von sich gibt. Am Ende werden´s ein paar tausend Worte sein, die er braucht, um über Gott und die Welt zu philosophieren. Und enttäuscht erklärt er schließlich dem Publikum zum Schluss: so viele Worte, aber es hilft nichts, es verändert sich ja doch nichts.  Da hat er wohl recht, der Belzig, viele Worte können gar nichts bewirken, aber dafür können wenig Worte sehr viel bewirken, wenn sie treffen: ich bin stolz auf dich, danke für deine Hilfe, du bist mir wichtig, ich vertraue dir, ich stehe hinter dir. Das sind Worte die etwas bewirken, weil sie einen Menschen in seinem Inneren treffen und ihm gut tun. Also Volltreffer ins Herz. Vielleicht denken Sie jetzt daran, wie viel Sie heute gesprochen haben mit den Kindern oder in der Arbeit und vielleicht waren ein paar wenige Worte dabei, mit denen sie einen Menschen ins Herz getroffen haben. Dann haben sie heute die Welt ein klein wenig verändert.

Menschen im Stau
Es ist Freitagnachmittag, ich fahre zu einem Geburtstagsfest eines Freundes an den Rhein. Autobahn A8 München-Stuttgart .Vor mir bremsen sie ständig und ich werde langsam nervös. Ich will das gute Essen bei meinen Freunden auf keinen Fall verpassen. Dann meldet der Verkehrsfunk: vor Stuttgart 14 Kilometer Stau: ein Lastwagen ist umgekippt. Ich schaue zu der Schlange von Lastwagen auf der rechten Spur und fluche vor mich hin: diese blöden Kisten, die alle Straßen verstopfen, und in meiner Wut würde ich am liebsten allen die Luft aus den Reifen lassen. Dann schaue ich hinüber und sehe in einem LKW einen jungen Fahrer sitzen. Er hat sein Handy am Ohr, muss jetzt wahrscheinlich dem Chef sagen, dass er nicht pünktlich ankommt oder seiner Frau, dass es heute nichts wird mit dem gemütlichen Abend. Vielleicht sitzen auch Kinder zuhause, die fragen, wann der Papa endlich heimkommt. Mit diesen Gedanken verfliegt meine Wut. Schade, dass man auf der Autobahn nicht einfach aussteigen kann. Jetzt würde ich den Brummifahrer gerne fragen, was er durch den Stau heute verpasst. Vielleicht wäre er ja ganz sympathisch und wir würden uns gut unterhalten, wenn wir aus unseren Blechkisten aussteigen würden.

Dietmar Rebmann, PR

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