|
Auf ein Wort .....
Großvater-Segen
Mein Großvater war Schuster und hatte eine kleine Werkstatt in seinem
Haus. Als kleiner Bub durfte ich an seinem Werktisch sitzen und Nägel in kleine
Bretter klopfen oder Lederstücke zusammen leimen. Manchmal habe ich heute noch
den Geruch des Leders in der Nase. Und ich sehe meinen Großvater vor mir, wie er
morgens um neun Uhr die Tür zu seiner Werkstatt aufschließt. Kurz darauf kommen
schon die ersten Besucher, es sind ältere Männer aus dem Dorf. Und wie jeden Tag
diskutieren sie erst einmal über die aktuellen Fußballergebnisse und die
Lottozahlen und über das, was heute in der Zeitung steht. Ich klopfe weiter
meine Nägel und warte schon gespannt, wann sie heute wieder auf das Thema zu
sprechen kommen, das sie jeden Tag beschäftigt: der Krieg. Sie erzählen über
ihre Erlebnisse als Soldaten, die Kameraden, die gefallen sind, die Granaten,
die neben ihnen eingeschlagen sind und sie nur knapp verfehlt haben und die
schlechte Verpflegung vor allem im Winter. Am Ende ihrer Rückschau atmen sie
erleichtert auf: gut, dass wir das alles überlebt haben.Und ich als kleiner Bub
fühle mich geborgen in dieser Runde von Männern, die einen grausamen Krieg
überstanden haben. Wenn ich heute am Grab meiner Großväter stehe, habe ich
dieses Gefühl noch in mir, dass ich bei ihnen gut aufgehoben bin. Ich glaube,
dass sie auf mich aufpassen. Und wenn ich Sorgen habe, denke ich : sie haben den
Krieg durch gestanden, dann schaffe ich auch das, was mich heute
herausfordert. Und ich gehe immer wieder an ihre Gräber, um mir ihren Segen zu
holen.
Und ich wünsche mir, dass meine Enkelkinder einmal an meinem Grab stehen und zu
mir sagen: Opa, du hast es geschafft, wir schaffen es auch.
Fußballgott
Wenn es bei einem Fußballverein gerade mal gut läuft, dann ist auch der Trainer
gut drauf. Er kann mit der Mannschaft ganz locker umgehen und überträgt sein
eigenes Selbstbewusstsein auf die einzelnen Spieler. Und diesen Glauben in die
eigene Stärke holen sich die Sporttrainer immer öfter bei Mentaltrainern, die
sagen: du musst dich entspannen, werde ruhig, dann spürst du eine Kraft, die
größer ist als du. Wenn man fest genug glaubt, bekommt man irgendwann etwas
zurück, davon sind viele überzeugt und sie nennen die höhere Instanz, an die sie
sich wenden, manchmal Schutzengel oder Fußballgott. Man kann darüber lächeln,
wenn jemand vom Fußballgott spricht. Aber jeder Mensch nennt die höhere Kraft,
an die er sich wendet, anders. Wie ich meinen Gott
nenne,
ist nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass ich mich dieser höheren Kraft
anvertraue. Ich sage einfach: Gott, wer immer du bist, gib mir ein bisschen
Kraft und Ruhe. Das macht mich gelassener, weil ich weiß, es hängt nicht alles
von mir ab. Und diese innere Kraft reicht dann auch noch für die nächste
Niederlage. Und die kommt bestimmt, im Fußball wie im richtigen Leben.
Leben im Augenblick
Die Versicherungen sind mal wieder hinter mir her: jeden Tag liegt im
Briefkasten eine Werbung: sind sie genügend abgesichert? Und jedes Mal
durchzuckt mich die Frage, was kann mir noch alles passieren, wo muss ich mein
Leben noch sicherer machen? Gibt es noch Sicherheitslücken, die meinen
Lebensabend gefährden? Und dann höre ich am Abend in den Nachrichten, dass
Politiker und Sicherheitsexperten alles noch viel sicherer machen wollen, und
bereit sind, gegen alles zu kämpfen, was diese Sicherheit bedroht. Eines ist
jedenfalls sicher: dass das Leben in unserer Welt scheinbar sehr unsicher
geworden ist. Und wenn ich darüber nachdenke, wie ich mein Leben besser
absichern könnte, fallen mir erst einmal die vielen Un-sicherheiten ein, die
mein Leben bedrohen: kriege ich auch die Vogelgrippe, verliere ich bald meinen
Arbeitsplatz, jagt ein Terrorist mich im Flugzeug in die Luft? Mein persönlicher
Sicherheits-check fällt sehr unbefriedigend aus: es könnte noch soviel
passieren, worauf ich mich nicht genügend vorbereitet bin. Die Zukunft wird zum
Sicherheitsrisiko! Vielleicht sollte ich doch besser in der Gegenwart bleiben
und mich mit dem Spruch eines weisen Menschen begnügen, der sagt: Verlängere den
Augenblick, gib dem Jetzt Dauer, sonst zerrinnt dir dein Leben!
Treffer-Worte
Der Erwin Belzig kommt manchmal auf verrückte Ideen. Steht beim Auftritt
auf der Bühne und lässt von einem Mitarbeiter in der Regie die Worte zählen, die
er an diesem Abend sozusagen von sich gibt. Am Ende werden´s ein paar tausend
Worte sein, die er braucht, um über Gott und die Welt zu philosophieren. Und
enttäuscht erklärt er schließlich dem Publikum zum Schluss: so viele Worte, aber
es hilft nichts, es verändert sich ja doch nichts. Da hat er wohl recht, der
Belzig, viele Worte können gar nichts bewirken, aber dafür können wenig Worte
sehr viel bewirken, wenn sie treffen: ich bin stolz auf dich, danke für deine
Hilfe, du bist mir wichtig, ich vertraue dir, ich stehe hinter dir. Das sind
Worte die etwas bewirken, weil sie einen Menschen in seinem Inneren treffen und
ihm gut tun. Also Volltreffer ins Herz. Vielleicht denken Sie jetzt daran, wie
viel Sie heute gesprochen haben mit den Kindern oder in der Arbeit und
vielleicht waren ein paar wenige Worte dabei, mit denen sie einen Menschen ins
Herz getroffen haben. Dann haben sie heute die Welt ein klein wenig verändert.
Menschen im Stau
Es ist Freitagnachmittag, ich fahre zu einem Geburtstagsfest eines
Freundes an den Rhein. Autobahn A8 München-Stuttgart .Vor mir bremsen sie
ständig und ich werde langsam nervös. Ich will das gute Essen bei meinen
Freunden auf keinen Fall verpassen. Dann meldet der Verkehrsfunk: vor Stuttgart
14 Kilometer Stau: ein Lastwagen ist umgekippt. Ich schaue zu der Schlange von
Lastwagen auf der rechten Spur und fluche vor mich hin: diese blöden Kisten, die
alle Straßen verstopfen, und in meiner Wut würde ich am liebsten allen die Luft
aus den Reifen lassen. Dann schaue ich hinüber und sehe in einem LKW einen
jungen Fahrer sitzen. Er hat sein Handy am Ohr, muss jetzt wahrscheinlich dem
Chef sagen, dass er nicht pünktlich ankommt oder seiner Frau, dass es heute
nichts wird mit dem gemütlichen Abend. Vielleicht sitzen auch Kinder zuhause,
die fragen, wann der Papa endlich heimkommt. Mit diesen Gedanken verfliegt meine
Wut. Schade, dass man auf der Autobahn nicht einfach aussteigen kann. Jetzt
würde ich den Brummifahrer gerne fragen, was er durch den Stau heute verpasst.
Vielleicht wäre er ja ganz sympathisch und wir würden uns gut unterhalten, wenn
wir aus unseren Blechkisten aussteigen würden.
Dietmar
Rebmann, PR
© copyright 2008
WebMaster: Herbert Bauernfeind
webmaster@bauernfeind-web.de |