Gedanken zum Nachdenken - Auf ein Wort - Fastenzeit / 3

St. Severin Garching

[Zurück zu Nachdenken-Seite] 
Gedanken zum Nachdenken - Auf ein Wort
von Pastoralreferent Dietmar Rebmann

Thema: Speziell zur Fastenzeit / 3

Auf ein Wort .....

Wertverlust
Hast du den gesehen? 450 PS und 500 Newtonmeter, von null auf Hundert in 4,5 Sekunden. Alle am Stammtisch sind begeistert. Was die Autofirmen beim Genfer Autosalon jetzt für´s Frühjahr präsentiert haben, lässt alle Herzen der Autofans höher schlagen. Und sie diskutieren über Spurbreite und Radstand, Ausstattungsvarianten und die Preise. Was sie bei den Preisen aber am meisten bewegt, ist der Wertverlust. Wenn man sich schon ein neues Auto kauft, sollte es nicht so schnell an Wert verlieren, da sollte man genau hinsehen. Aber vielleicht wird es ja auch nichts mit dem neuen Wagen. Eigentlich müsste man das Geld für die Rente ausgeben. Denn diese Meldung ist wie eine Bombe eingeschlagen: die Renten sinken immer weiter. Du bist halt nichts mehr wert, wenn du alt bist, sagt einer. Es scheint bei uns Menschen zu sein wie bei den Autos: je älter du wirst, desto weniger bist du wert. Natürlich setzen wir Menschen auch Rost an und im Alter geht manches nicht mehr so flott wie bei den Jungen. Die Verschleißerscheinungen kosten auch beim Menschen einiges. Aber vielleicht haben wir etwas Wichtiges übersehen: Menschen sind keine Maschinen. Maschinen, die alt sind, kann man verschrotten, sie sind zu nichts mehr zu gebrauchen. Der Chrom glänzende und blank polierte Wagen verliert irgendwann seinen Glanz. Aber Menschen gewinnen mit jedem Lebensjahr an Erfahrung. Das Lebenswissen eines alten Menschen kann man durch nichts ersetzen.
Vielleicht müssen wir das wieder lernen: je älter ein Mensch wird, desto wertvoller wird er.

Volltreffer
Sie reißen ihre Gewehre in die Luft und ballern herum, was der Patronengürtel hergibt. Als Zehnjährige wurde ihnen schon eine Waffe in die Hand gedrückt. In Uganda und vielen anderen Staaten werden Kinder als Soldaten missbraucht. Sie werden angeworben, dann mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht und zum Töten abgerichtet. Menschliche Kampfmaschinen, die Dinge tun, zu denen Erwachsene oft nicht fähig wären. Wenn sie zu ihren Familien zurückkehren, wissen die Eltern nicht, wie sie mit ihnen umgehen sollen. „Wir haben ein Kind verloren und bekommen einen Mörder zurück, sagen sie. Diese Kinder sollen nun nicht mehr mit Gewehren schießen, sondern mit dem Ball. Bundestorwarttrainer Andi Köpke hat deshalb einen Spot gedreht für die Aktion „Volltreffer“. Bei der Fussball-WM soll damit in Kinos und den Fußballstadien für diese Aktion geworben werden. Auch Fußballkönig Pele hat sich beim Weltjugendtag spontan für diese Kampagne gewinnen lassen. Unter dem Motto: „Auf Tore schießen statt auf Menschen“ können Fußballfans im Internet dem erfahrenen Keeper Andi Köpke beim online-Elfmeterschießen ein paar Bälle draufballern. Unter www.volltreffer.de erfahren sie dann auch, wie sie die Aktion der beiden Kirchen unterstützen können. Der FC Schalke und seine Fans  machen auch schon mit. Und wenn wir dann wirklich nicht Weltmeister werden sollten, dann können wir uns damit trösten, dass wir Kindern mit einem schweren Lebensschicksal geholfen haben. Dafür gibt´s keinen Pokal, aber stolz sein dürfen wir trotzdem.

Ich sehe, was du siehst
Die ältere Dame steht vor dem Hochhaus und will einen Arzt besuchen. Auf einer großen Tafel sind alle Fachärzte aufgelistet. Die Patientin sucht, aber sie findet ihren Doktor nicht, die Schilder hängen zu hoch. Ein Kind will  über den Zebrastreifen, es schaut nach rechts und nach links und marschiert los. Da quietschen auch schon die Bremsen eines Autos. Das Kind hat den Wagen übersehen. Ein großer Kasten mit Streusalz hat ihm die Sicht versperrt. Für solche Situationen hat eine oberbayrische Firma jetzt einen Kamerahelm entwickelt. Zusammen mit der Technischen Universität München will man genauer herausfinden, was wir Menschen sehen und was nicht. Eine Testperson bekommt den Helm auf den Kopf und dann kann man das Blickfeld und die Augenbewegung auf einem Bildschirm sehen. Jede kleine Zuckung des Augapfels erscheint dann riesengroß auf dem Monitor. Damit kann man also feststellen, wohin die Blicke gehen und was passiert, wenn jemand abgelenkt wird. Unter dem Motto: „Mit den Augen des anderen sehen“ wollen die Techniker herausfinden, warum wir oft keinen Überblick haben. Viel Ärger könnten wir uns aber auch ersparen, wenn wir das ohne Technik könnten: die Welt mit den Augen des anderen sehen. Dazu braucht man aber auch die Augen des Herzens. Was die sehen, kann keine Kamera zeigen, das kann man nur fühlen.

Auftanken
Das Tanken an der Tankstelle kann eine nervige Angelegenheit sein: erst dauert es, bis man eine freie Zapfsäule findet, dann der Ärger über die Preise, und schließlich steht man in der Schlange an der Kasse. In den Niederlanden gibt es jetzt eine Tankstelle, aus der man ganz entspannt wieder hinausfährt. Während der Wagen mit günstigem Pflanzenöl von einem Tankwart gefüllt wird, sollen sich die Autofahrer in eine bequeme Haltung begeben und über alternative Energien meditieren. Das haben sich zwei niederländische Künstler ausgedacht. Die Kunden sind zufrieden an dieser Tankstelle für Auto und Geist. Sie können günstig und umweltfreundlich tanken und fahren anschließend ganz entspannt wieder weiter. Ein ähnliches Angebot zum Auftanken machen in der Fastenzeit viele Klöster. Hier kann man mit den Ordensleuten einfach  mitleben und nebenbei über Alternativen für das eigene Leben nachdenken. Und wie bei jeder Tankstelle kann man auch hier immer wieder kommen. Der Kraftstoff, der hier für Körper und Seele angeboten wird, ist sogar kostenlos: göttliche Energie, die unbegrenzt zur Verfügung steht. Und sie ist absolut umweltfreundlich.
Denn wer Kraft von oben tankt, kann sie an andere weitergeben und so seine Umwelt freundlicher machen.

Relax
Noch zwanzig Meter bis zur Ampel, sie ist noch grün, soll ich Gas geben oder schon bremsen. Ich gebe Gas, aber da schaltet sie um. Fluchend steige ich auf die Bremse. Heute geht mal wieder alles nach dem Prinzip: wenn du´s eilig hast, sind alle Ampeln rot. Und nach jeder roten Ampel steigt der Stresspegel. So macht Autofahren keinen Spaß. In Delhi in Indien steht auf dem roten Ampellicht mit weißer Schrift. Relax! Entspanne dich. Vielleicht würde mir das auch gut tun, wenn mir die rote Ampel sagt: Bleib ruhig, lass los. Genieß das Autofahren. Verkehrszeichen als mahnende Ratgeber. Aber Verkehrszeichen haben bei uns keine entspannende Wirkung. Entlang deutscher Straßen stehen mehr als 20 Millionen Schilder, im Durchschnitt etwas alle 30 Meter eines. Und die meisten verbieten, warnen und lenken ab. Das das nicht so sein muss, zeigen die Einwohner von Drachte in Holland. Sie haben ihren Schilderwald radikal gelichtet. Die unnötigen Verkehrszeichen wurden abmontiert und nur noch die allerwichtigsten stehen noch. Die Autofahrer verständigen sich gegenseitig mit Blickkontakt. Und siehe da: es passieren kaum noch Unfälle. Die Menschen schauen nicht mehr auf Schilder, sondern sehen sich gegenseitig in die Augen.
Das entspannt und schafft mehr Mitmenschlichkeit auf der Straße.

Erst Wurzeln dann Flügel
Ihr erzieht ihn völlig falsch, ihr müsst konsequenter sein. Unsere Tochter ist nicht zufrieden, wie wir ihren jüngsten Bruder erziehen. Beim dritten Kind ist man vielleicht auch etwas lockerer. Aber darf man das noch im Zeitalter der Super-Nannies? Denn in den Erziehungsshows  wird konsequentes Handeln der Eltern eingeübt. Ja keine Schwäche zeigen, liebe Eltern, ihr müsst mit euren Kindern ringen und euch durchsetzen. Wenn das Kind es nicht kapiert, gibt es eine Auszeit in der Strafecke, wenn es sich nicht beruhigt, musst du es ablenken. Irgendwie musst du den Knopf finden, um das Kind ruhig zu stellen. Ich sehe, dass das gut funktioniert. Aber ich bin mir nicht sicher, was es in den Kindern bewirkt? Klar brauchen Kinder feste Regeln und konsequentes Handeln der Eltern. Sie müssen wissen, wo die Grenzen sind, damit sie sich im Leben orientieren lernen. Und natürlich brauchen die gestressten modernen Eltern auch ihre Freiräume und ihre Ruhe. Aber was mir in all den Erziehungsshows fehlt, ist etwas ganz einfaches: Kinder brauchen Liebe und Zuneigung. Sie brauchen zuerst Wurzeln in ihrem Herzen. Und in ihrer Seele brauchen sie das Bild, das sie dazu gehören, in eine größere Gemeinschaft eingebunden sind. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen.“
Vielleicht sollten wir wieder konsequenter für eine Welt sorgen, in der Kinder ausgelassen mit anderen spielen und toben können. Vielleicht würde sich dann so mancher Ärger in der Familie erst  gar nicht einstellen. 

Dietmar Rebmann, PR

Seitenanfang
© copyright   2008  WebMaster: Herbert Bauernfeind  
webmaster@bauernfeind-web.de