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Auf ein Wort .....
Wertverlust
Hast du den gesehen? 450 PS und 500 Newtonmeter, von null auf Hundert in 4,5
Sekunden. Alle am Stammtisch sind begeistert. Was die Autofirmen beim Genfer
Autosalon jetzt für´s Frühjahr präsentiert haben, lässt alle Herzen der Autofans
höher schlagen. Und sie diskutieren über Spurbreite und Radstand,
Ausstattungsvarianten und die Preise. Was sie bei den Preisen aber am meisten
bewegt, ist der Wertverlust. Wenn man sich schon ein neues Auto kauft, sollte es
nicht so schnell an Wert verlieren, da sollte man genau hinsehen. Aber
vielleicht wird es ja auch nichts mit dem neuen Wagen. Eigentlich müsste man das
Geld für die Rente ausgeben. Denn diese Meldung ist wie eine Bombe
eingeschlagen: die Renten sinken immer weiter. Du bist halt nichts mehr wert,
wenn du alt bist, sagt einer. Es scheint bei uns Menschen zu sein wie bei den
Autos: je älter du wirst, desto weniger bist du wert. Natürlich setzen wir
Menschen auch Rost an und im Alter geht manches nicht mehr so flott wie bei den
Jungen. Die Verschleißerscheinungen kosten auch beim Menschen einiges. Aber
vielleicht haben wir etwas Wichtiges übersehen: Menschen sind keine Maschinen.
Maschinen, die alt sind, kann man verschrotten, sie sind zu nichts mehr zu
gebrauchen. Der Chrom glänzende und blank polierte Wagen verliert irgendwann
seinen Glanz. Aber Menschen gewinnen mit jedem Lebensjahr an Erfahrung. Das
Lebenswissen eines alten Menschen kann man durch nichts ersetzen.
Vielleicht müssen wir das wieder lernen: je älter ein Mensch wird, desto
wertvoller wird er.
Volltreffer
Sie reißen ihre Gewehre in die Luft und ballern herum, was der
Patronengürtel hergibt. Als Zehnjährige wurde ihnen schon eine Waffe in die Hand
gedrückt. In Uganda und vielen anderen Staaten werden Kinder als Soldaten
missbraucht. Sie werden angeworben, dann mit Alkohol und Drogen gefügig gemacht
und zum Töten abgerichtet. Menschliche Kampfmaschinen, die Dinge tun, zu denen
Erwachsene oft nicht fähig wären. Wenn sie zu ihren Familien zurückkehren,
wissen die Eltern nicht, wie sie mit ihnen umgehen sollen. „Wir haben ein Kind
verloren und bekommen einen Mörder zurück, sagen sie. Diese Kinder sollen nun
nicht mehr mit Gewehren schießen, sondern mit dem Ball. Bundestorwarttrainer
Andi Köpke hat deshalb einen Spot gedreht für die Aktion „Volltreffer“. Bei der
Fussball-WM soll damit in Kinos und den Fußballstadien für diese Aktion geworben
werden. Auch Fußballkönig Pele hat sich beim Weltjugendtag spontan für diese
Kampagne gewinnen lassen. Unter dem Motto: „Auf Tore schießen statt auf
Menschen“ können Fußballfans im Internet dem erfahrenen Keeper Andi Köpke beim
online-Elfmeterschießen ein paar Bälle draufballern. Unter www.volltreffer.de
erfahren sie dann auch, wie sie die Aktion der beiden Kirchen unterstützen
können. Der FC Schalke und seine Fans machen auch schon mit. Und wenn wir dann
wirklich nicht Weltmeister werden sollten, dann können wir uns damit trösten,
dass wir Kindern mit einem schweren Lebensschicksal geholfen haben. Dafür gibt´s
keinen Pokal, aber stolz sein dürfen wir trotzdem.
Ich sehe, was du siehst
Die ältere Dame steht vor dem Hochhaus und will einen Arzt besuchen. Auf
einer großen Tafel sind alle Fachärzte aufgelistet. Die Patientin sucht, aber
sie findet ihren Doktor nicht, die Schilder hängen zu hoch. Ein Kind will über
den Zebrastreifen, es schaut nach rechts und nach links und marschiert los. Da
quietschen auch schon die Bremsen eines Autos. Das Kind hat den Wagen übersehen.
Ein großer Kasten mit Streusalz hat ihm die Sicht versperrt. Für solche
Situationen hat eine oberbayrische Firma jetzt einen Kamerahelm entwickelt.
Zusammen mit der Technischen Universität München will man genauer herausfinden,
was wir Menschen sehen und was nicht. Eine Testperson bekommt den Helm auf den
Kopf und dann kann man das Blickfeld und die Augenbewegung auf einem Bildschirm
sehen. Jede kleine Zuckung des Augapfels erscheint dann riesengroß auf dem
Monitor. Damit kann man also feststellen, wohin die Blicke gehen und was
passiert, wenn jemand abgelenkt wird. Unter dem Motto: „Mit den Augen des
anderen sehen“ wollen die Techniker herausfinden, warum wir oft keinen Überblick
haben. Viel Ärger könnten wir uns aber auch ersparen, wenn wir das ohne Technik
könnten: die Welt mit den Augen des anderen sehen. Dazu braucht man aber auch
die Augen des Herzens. Was die sehen, kann keine Kamera zeigen, das kann man nur
fühlen.
Auftanken
Das Tanken an der Tankstelle kann eine nervige
Angelegenheit sein: erst dauert es, bis man eine freie Zapfsäule findet, dann
der Ärger über die Preise, und schließlich steht man in der Schlange an der
Kasse. In den Niederlanden gibt es jetzt eine Tankstelle, aus der man ganz
entspannt wieder hinausfährt. Während der Wagen mit günstigem Pflanzenöl von
einem Tankwart gefüllt wird, sollen sich die Autofahrer in eine bequeme Haltung
begeben und über alternative Energien meditieren. Das haben sich zwei
niederländische Künstler ausgedacht. Die Kunden sind zufrieden an dieser
Tankstelle für Auto und Geist. Sie können günstig und umweltfreundlich tanken
und fahren anschließend ganz entspannt wieder weiter. Ein ähnliches Angebot zum
Auftanken machen in der Fastenzeit viele Klöster. Hier kann man mit den
Ordensleuten einfach mitleben und nebenbei über Alternativen für das eigene
Leben nachdenken. Und wie bei jeder Tankstelle kann man auch hier immer wieder
kommen. Der Kraftstoff, der hier für Körper und Seele angeboten wird, ist sogar
kostenlos: göttliche Energie, die unbegrenzt zur Verfügung steht. Und sie ist
absolut umweltfreundlich.
Denn wer Kraft von oben tankt, kann sie an andere weitergeben und so seine
Umwelt freundlicher machen.
Relax
Noch zwanzig Meter bis zur Ampel, sie ist noch grün, soll ich Gas geben oder
schon bremsen. Ich gebe Gas, aber da schaltet sie um. Fluchend steige ich auf
die Bremse. Heute geht mal wieder alles nach dem Prinzip: wenn du´s eilig hast,
sind alle Ampeln rot. Und nach jeder roten Ampel steigt der Stresspegel. So
macht Autofahren keinen Spaß. In Delhi in Indien steht auf dem roten Ampellicht
mit weißer Schrift. Relax! Entspanne dich. Vielleicht würde mir das auch gut
tun, wenn mir die rote Ampel sagt: Bleib ruhig, lass los. Genieß das Autofahren.
Verkehrszeichen als mahnende Ratgeber. Aber Verkehrszeichen haben bei uns keine
entspannende Wirkung. Entlang deutscher Straßen stehen mehr als 20 Millionen
Schilder, im Durchschnitt etwas alle 30 Meter eines. Und die meisten verbieten,
warnen und lenken ab. Das das nicht so sein muss, zeigen die Einwohner von
Drachte in Holland. Sie haben ihren Schilderwald radikal gelichtet. Die
unnötigen Verkehrszeichen wurden abmontiert und nur noch die allerwichtigsten
stehen noch. Die Autofahrer verständigen sich gegenseitig mit Blickkontakt. Und
siehe da: es passieren kaum noch Unfälle. Die Menschen schauen nicht mehr auf
Schilder, sondern sehen sich gegenseitig in die Augen.
Das entspannt und schafft mehr Mitmenschlichkeit auf der Straße.
Erst Wurzeln dann Flügel
Ihr erzieht ihn völlig falsch, ihr müsst
konsequenter sein. Unsere Tochter ist nicht zufrieden, wie wir ihren jüngsten
Bruder erziehen. Beim dritten Kind ist man vielleicht auch etwas lockerer. Aber
darf man das noch im Zeitalter der Super-Nannies? Denn in den Erziehungsshows
wird konsequentes Handeln der Eltern eingeübt. Ja keine Schwäche zeigen, liebe
Eltern, ihr müsst mit euren Kindern ringen und euch durchsetzen. Wenn das Kind
es nicht kapiert, gibt es eine Auszeit in der Strafecke, wenn es sich nicht
beruhigt, musst du es ablenken. Irgendwie musst du den Knopf finden, um das Kind
ruhig zu stellen. Ich sehe, dass das gut funktioniert. Aber ich bin mir nicht
sicher, was es in den Kindern bewirkt? Klar brauchen Kinder feste Regeln und
konsequentes Handeln der Eltern. Sie müssen wissen, wo die Grenzen sind, damit
sie sich im Leben orientieren lernen. Und natürlich brauchen die gestressten
modernen Eltern auch ihre Freiräume und ihre Ruhe. Aber was mir in all den
Erziehungsshows fehlt, ist etwas ganz einfaches: Kinder brauchen Liebe und
Zuneigung. Sie brauchen zuerst Wurzeln in ihrem Herzen. Und in ihrer Seele
brauchen sie das Bild, das sie dazu gehören, in eine größere Gemeinschaft
eingebunden sind. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Es braucht ein ganzes
Dorf, um ein Kind großzuziehen.“
Vielleicht sollten wir wieder konsequenter für eine Welt sorgen, in der Kinder
ausgelassen mit anderen spielen und toben können. Vielleicht würde sich dann so
mancher Ärger in der Familie erst gar nicht einstellen.
Dietmar
Rebmann, PR
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