Radio-Impulse für Radio Horeb vom 11. Mai 2007

St. Severin Garching

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Im Bild:
Pfarrer Bodo Windolf,
St. Severin Garching
(bei der Firmung am 20.04.2007)

Radioimpuls vom 11. Mai 2007 
"Name Gottes"

Glaubensimpuls am 11. Mai

Jeder von uns trägt einen Namen – nicht selbst gegeben, von Eltern erhalten – es mag manche geben, die ihren eigenen Namen nicht mögen – in der Regel aber haben wir ihn gern – nicht zählbar, wie oft wir schon mit unserem Namen gerufen worden sind – Menschen nennen ihn, um mit uns in Kontakt, in Beziehung zu treten – wenn ich meinen Namen höre, weiß ich: Ich bin gemeint – mein Name gehört viel enger zu mir als meine Kleider oder anderes, was ich besitze – er gehört zu meiner Identität

Im Tierreich gibt es keine Namen – Tiere benennen einander nicht – das einzelne Tier geht in seiner Gattung auf; den Dienst für den Weiterbestand der Gattung zu erfüllen, ist sein Daseinszweck – beim Menschen ist dies anders: er ist nicht nur Gattungswesen, er ist Person – mein Name unterscheidet mich von anderen è du bist Maria, ich bin Philipp; du bist du, ich bin ich; dein und mein Name steht für die Einmaligkeit deiner und meiner Person, drückt (wie schon gesagt) deine und meine Identität aus

- zugleich stellt der Name Gemeinschaft, Mitmenschlichkeit her, weil er mich anrufbar macht – so steht er gleichzeitig für Einmaligkeit und Gemeinschaft

im heutigen Evangelium (7. Osterwoche Mittwoch) geht es auch um einen Namen: um den Namen Gottes – aus Abschiedsreden: „Vater, ich habe deinen Namen den Menschen offenbart ... bewahre sie in deinem Namen ... damit sie eins sind wie wir ... und meine Freude in Fülle in sich haben“

es verweist auf das AT, genauer auf die Dornbuschgeschichte mit der Namensoffenbarung Jahwes – ein geheimnisvoller Name, mit dem Gott sich hier bezeichnet, der unterschiedlich übersetzt wird

1.         Septuaginta: „Ich bin der ‚Ich bin’“ – heutige Exegeten kritisieren dies als eine zu philosophische Übersetzung – aber auch diese beleuchtet einen wichtigen Aspekt in der reichen Bedeutungsskala des Jahwe-Namens: Jahwe ist der Beständige, Halt Gebende inmitten des Veränderlichen, Unbeständigen Vergänglichen des Daseins

2.         dieser Name, der eigentlich gar kein Name ist, bedeutet, dass Gott über allen Namen ist, über allem hinaus, was wir mit menschlichen Worten benennen können, über allem Verstehen hinaus è benennt das Geheimnis  Gottes 

 Gottes, ist also in einem gewissen Sinn die Verweigerung eines Namens und zeigt, dass Gott unendlich über uns ist

3.         Einheits-Übersetzung: „Ich bin der „Ich-bin-da“ è trifft ohne Zweifel einen ganz wichtigen Aspekt des Namens è Er, der unendlich Erhabene und Ferne ist zugleich der unendlich Nahe, der Begleitende, mit uns Gehende, Beschützende ...

4.         im selben Atemzug nennt Jahwe sich den „Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ è d.h. Er ist ein Gott der Menschen; Gott nimmt den Menschen geradezu in die Definition Seines Namens mit hinein und damit auch mich è Er ist also auch der Gott meines Namens 

Jesus ist die endgültige Offenbarung des Namens Gottes – Er ist die Vollendung der Dornbuschoffenbarung – Er ist, weil in Ihm Gott auf die Erde gekommen und Mensch geworden ist, die unüberbietbare Nähe Gottes in Person – in den vielen Begegnungen, die Er hat, wird noch deutlicher als dies schon im AT war è nicht nur ist Gott für uns Menschen nicht namenlos, auch wir sind für Gott nicht namenlos (è bei deinem Namen habe ich dich gerufen (Jes 43)) – eine der schönsten Szenen des Evangeliums, die dies zeigt, ist die Begegnung des Auferstandenen mit Maria von Magdala (leeres Grab – sieht die Gestalt Jesus, vielleicht mit verweinten Augen, nur im Augenwinkel – Gärtner? – und dann hört sie ihren Namen, wie nur einer ihn aussprechen Konnte: „Maria!“ – das ist der Augenblick, da sie Ihn erkennt ...

Auch wir dürfen uns wie Maria bei unserem Namen gerufen wissen

Mit dem Klang im Ohr, wie Gott, wie Jesus mich bei meinem Namen ruft, kann ich in den Tag hineingehen und mich von diesem Klang begleiten lassen

Pfr. Bodo Windolf

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