Die stetig sich vergrößernde Ortschaft Garching erforderte einen Kirchenneubau, der durch Entgegenkommen
der politischen Gemeinde in der Nähe der damals neuerrichteten Schulanlage möglich wurde. Entsprechend
den Anforderungen einer großen Pfarrei wurde ein Pfarrzentrum geplant, das sich am Rande des alten Dorfkerns
inmitten eines sich zur Stadtgemeinde entwickelnden Baukerns einpasste. Den Entwurf für die neue, dem aus der
Übergangszeit von den Römern zu den Bajuwaren wirkenden hl. Severin von Norikum (+ 8.1.482 zu Mautern bei Krems)
geweihte Kirche schuf Architekt Siegfried Östreicher.
Auf einem Rechteck von 35 x 25 m konstruierte er ein Walmdach über kräftigen Stahlbetonstützen mit freigehaltenem
Innenraum, in dessen Zentrum der Altar steht. Entsprechend den Forderungen des II. Vatikanischen Konzils ist der Altar
die Mitte der in Garching auf drei Seiten umstehend versammelten Gemeinde. Östreicher läßt die gottesdienstliche
Gemeinde von einem Mauerband aus Muschelkalk umgeben, das jedoch keine tragende, sondern nur eine umfassende
Funktion besitzt. Das Tageslicht fällt durch ein Lichtband ein, das umkreisend aus einem Streifen zwischen Mauerkrone
und Holzdecke besteht. Die ungebrochene Deckengestaltung besteht in naturbelassenen Fichtenbrettern.
Die Teilung des Gesamtbaues erbrachte südlich eine Sakraments- und Werktagskapelle sowie eine Beichtkapelle und eine angebaute
Sakristei. Das Ganze ruht wie eine gedrückte Pyramide zeltartig unter einem Kupferdach, das mit dem eigenwilligen
Campanile - einem Spitzturm, unter dem man hindurchgehen kann - der gartenarchitektonischen Platzgestaltung und
dem westlich anschließenden Pfarrzentrum zu einem wegweisenden Projekt des
diözesanen, modernen Kirchenbaues
sich entwickelte. Die Grundsteinlegung unter Pfarrer Korbinian Lehrberger erfolgte 1964, die Kirchweihe am 17.9.1967
durch Julius Kardinal Döpfner. Die Ausstattung stammt im wesenlichen von Künstlern aus dem Bistum: Karl Reidel aus
Obergangkofen bei Landshut schuf das Bronzeportal mit 12 Darstellungen aus dem Leben des Kirchenpatrons,
die Bronzegriffe (Schutzengel am Kirchenausgang, den verlorenen Sohn an der Beichtkapelle) und den Kreuzweg.
Bei Bildhauer Blasius Gerg, Glonn, entstanden Hauptaltar, Ambo, Sedilien, Sakramentsaltar mit der Mauerscheibe
und Taufbrunnen. Erhard Hössle, Ebenhausen, schuf den Tabernakel, das AItarkreuz und die Leuchter, den Kelch,
die Hostienschale, die Monstranz und das Rauchfaß.Alle Bronzeschmiedearbeiten führte Manfred Bergmeister, Ebersberg, aus. 1970 kam von Ludwig Wastlhuber, Mössling bei Mühldorf, die Orgel (11 Manuale, 24 Register) hinzu.
An Skulpturen konnten eine barocke Severinsdarstellung - daneben 10 neue Bronzeleuchter mit den Namen
der Wirkorte des Heiligen (Quintanis = Künzing bei Vilshofen, Batavis = Passau, Boiotro = Römerkastell in
Passau-lnnstadt, Juvao = Salzburg, Cucullis = Kuchl bei Salzburg, loviaco = Engelhartszell bei Passau,
Lauriacum = Lorch/OÖ, Comagenio = Tulln, Asturis = Klosterneuburg bei Wien,
Favianis= Mautern/NÖ)
und die Kopie einer gotischen Chiemgauer Madonna erworben werden.
Beim Verlassen der Pfarrkirche betrachten wir das Bronzeportal mit den Szenen aus dem Leben des Kirchenpatrons - die erzählfreudigsten,
verglichen mit den Portalen am Dom zu Salzburg von Giacomo Manzu (1958) und von Peter Dimmel an der
Basilika in Lorch (1971):1. wie St. Severin durch heilsame Aufmunterung zu guten Werken und durch die Verkündigung der Zukunft berühmt wurde 2. über den toten Silvinus, der auf den Anruf St. Severins plötzlich die Augen öffnete 3. wie St. Severin die Ermordung von Soldaten geoffenbart wurde und er sie bestatten ließ 4. wie Gott auf das Gebet St. Severins die Bewohner des Städtchens Faviani vor einer Hungersnot errettet hat 5. wie durch das Gebet St. Severins die Heuschrecken vertrieben, aber die Saat eines Ungläubigen vernichtet wurde 6. wie St. Severin dem Rugier König Fewa und seinem Heere entgegenging und das Volk unter seinen Schutz nahm 7. wie der einzige Sohn einer Witwe durch das Gebet St. Severins geheilt wurde 8. wie St. Severin mit einem Beil das Kreuzzeichen in die Stützpfosten einhieb, worauf das Wasser niemals mehr darüber anstieg 9. über die Leute, die mitten im Winter für die Armen Kleider brachten und denen ein Bär den Weg wies 10. wie Gibuld, der König der Alemannen, vor dem Knecht Gottes zitterte und bebte und die Gefangenen freigab 11. über ein Wunder, wo durch Kerzen, die von Gott entzündet worden waren, Götzendiener entdeckt und bekehrt wurden 12. Über sein Hinscheiden und wie gütig er in seiner letzten Stunde die Seinen ermahnte.
Im Campanile hängen fünf Glocken der Gießerei Karl Czudnochowsky Erding 1965: 1. hl. Severin, Ton d'-, 2. hl. Korbinian, Ton f',' 3. hl. Josef Ton g'- 4. hl. Maria, Ton b', 5. hl. Michael, Ton c". An der Nordseite des Kirchhofes 15 Kreuzwegstationen in Bronzeguß, wieder nach Entwurf von Reidel. |
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